Wenn man den Titel „Midwinter“ liest, fühlt man sich sofort an Düsseldorfer-Rock erinnert und wirft die neue Scheibe der Franzosen „The Glassy Waters“ in freudiger Erwartung in das Laufwerk. Kaum aber, dass der erste Ton aus den Lautsprechern säuselt, vergeht dieses Gefühl gänzlich.
Was für Gothicfans als langsames, mystisches und düsteres Intro im ersten Lied beginnt, wird schon im zweiten Song schwer enttäuscht. Die junge Dame, die den Gesangspart übernimmt, muss leider viel zu häufig gegen ein viel zu dominantes Schlagzeug ansingen, was dem Sound sehr zu schaffen macht. Zudem muss sich der Hörer sehr anstrengen, um die Gitarren überhaupt zu hören. Alles verbindet sich zu einer haarsträubenden Mischung aus schwacher Stimme und viel zu lauten Drums. Es wird Gothic mit Metal und Keyboard mit Chören kombiniert und das lässt den Hörer immer wieder erschaudern, wenn die Sängerin ein weiteres Mal einen halben Ton daneben liegt, oder der Schlagzeuger zwischendurch mal den Takt vergisst.
Überraschend ist der männliche Gesangspart, der endlich einmal Abwechslung in dieses Horrorszenario bringt. Man möchte zum ersten Mal wirklich aufstehen und rocken. Aber kaum hat man sich dazu entschlossen, der Platte doch noch eine Chance zu geben, wird der Song abrupt beendet.
Midwinter zeigt uns mit dieser CD, dass es zwar möglich ist, viele verschiedene Einflüsse miteinander zu kombinieren, aber dass es nicht immer in sich stimmig ist.
Viel zu oft will man an Nightwish erinnern, ohne auch nur am Olymp der Finnen kratzen zu dürfen.
Midwinter sollte sich überlegen, ob sie nicht lieber auf zusätzliche Klangeinflüsse verzichten und sich lieber auf eine ursprüngliche, klare Linie konzentrieren, die nicht an lauwarmen Geräuschebrei erinnert.
Tracklist
01. Black Hole Attraction
02. Seed of Pain
03. The Cripple
04. Illusion
05. One Day you’ll set in the Land where you belong
06. One in a Hole
07. The Silence of your Eyes
08. Sweet little Child O’Mine
09. My Fury
10. Atmospherics